Herbst auf der ALB

Nicht nur die Corona Pandemie hat in 2020 deutliche Spuren bei den Menschen hinterlassen, sondern auch die Natur zeigt sich in diesem Jahr deutlichst gestresst. Seit mehreren Jahre leiden die Eschen unter dem Pilz Hymenoscyphus pseudoalbidus und so konnte man auf der gesamten Alb die einheitliche Forststrategie verfolgen: Nur eine gefällte Esche ist eine gute Esche.
Sicherlich kann man diese Maßnahmen im Bereich von öffentlichen Wegen umsetzen aber es müssen nicht alle Waldgebiete komplett von Eschen befreit werden. Das System Wald freut sich über jedes Totholz und lässt dadurch auch wieder neues Leben entstehen.

Durch die entnommene Holzmenge kämpft der Holzmarkt aktuell mit einem drastischen Preisverfall und lässt zahlreiche Fällprojekte zu einem finanziellen Minusgeschäft werden.

Wie so oft sollte auch hier die Devise gelten: Weniger ist mehr – Die Natur hat einfach Millionen Jahre Erfahrung in diesen Dingen und findet wieder adäquate Lösungen in den unterschiedlichsten Situationen.
Zwar haben wir ausgezeichnete Dozenten im Bereich der Waldökologie, aber wenn die Forstabsolventen später ihren Job angehen, unterliegen sie leider dem wirtschaftlichen Diktat des Landes oder der Kommunen und können sinnvolle und zukunftsorientierte Forstprojekte nur unzureichend umsetzen. Final bleibt nur der Umstand: Die Zahlen müssen stimmen!

Wir haben gut ausgebildete Forstfachkräfte aber solange kein Umdenken in den Ländern und Kommunen stattfindet, werden unsere Wäldern weiterhin leiden.
Eigentlich wäre es ganz einfach:
– Das Geld macht man nicht im Wald!
– Forstbeamten sollte es ermöglicht werden, sich ausschließlich für ein sinnvolles Waldsystem einsetzen zu können und nicht lediglich als Holzhändler agieren zu müssen.

Parallel zu dieser tragischen Entwicklung hat sich nun auch sehr schleichend die Buche gesellt. Wer in diesem Jahr die Alb bewusst erlebt und beobachtet hat, konnte die umfassenden Trockenschäden an den Buchen schmerzhaft erkennen. 
Umso unverständlicher ist die enorme Entnahme von gesunden und vitalen Buchenbeständen durch die Forstindustrie.
Wer jetzt verantwortungsvoll mit unseren Wäldern umgehen möchte, entnimmt keine gesunde Baumbestände.

Bereits im kommenden Jahr wird die Forstindustrie sicherlich wieder mit dem Zauberwort “Verkehrssicherungspflicht” aufwarten und somit eine fragliche Rechtfertigung für die Entnahme von gewaltigen Buchenbeständen zu haben. 

Es ist leider kein Herbstbild sondern das traurige Resultat der gestressten Bäume im Sommer 2020.

Bereits im Juni und Juli haben zahlreiche Bäume im Kronenbereich die Blätter abgeworfen.

Diese massiven Trockenschäden konnte man entlang der gesamten ALB beobachten.

Bedingt durch Trockenheit und Wurzelfäule, stürzen die Bäume ohne jeglichen Windeinfluss um.

Im Bereich von Wegen sicherlich eine Situation die entsprechende Maßnahmen erfordert, aber in unberührten Hangwäldern sind diese Bäume ein lebenswichtiger Todholz-Bestandteil und müssen bei der aktuellen Preisentwicklung, keinem Sägewerk zugeführt werden. Resultierende Rückeschäden würden auch vermieden.

Ja, die Natur wehrt sich und hat deutliche Probleme. Nur sollte der Mensch spätestens jetzt angemessen und nicht wieder planlos und rein kommerziell handeln.

Aber bleiben wir einfach positiv und versuchen zumindenst mit unseren Möglichkeiten einen Gegenpol zu vielen fraglichen Massnahmen zu bilden.

Aktuell hat der Indian Summer auf der Alb Einzug gehalten und lässt die Wälder in allen Farben erstrahlen. Der Herbst ist neben den anderen Jahreszeiten so einzigartig und sollte von uns in jeder freien Minute auf der Schwäbischen Alb erlebt und erfahren werden.

Also nichts wie raus und die Natur in vollen Zügen genießen.

Herbst auf der ALB

Video: by BLICKLE databases // Sound: Gemafreie Musik von MusicFox.com